Konzerthaus – Festivals – Resonanzen «Eurovisionen»
Foto: iStock, Gestaltung: schultz+schultz Mediengestaltung / Wiener Konzerthaus

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Resonanzen «Eurovisionen»

20. bis 28. Jänner 2018

In seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung für seinen Roman «Kompass» sagte der französische Schriftsteller Mathias Énard im März 2017 folgendes: «Es scheint so, als hätten die politischen Kommentatoren dieser Tage vergessen, wer Europa war. Und was Europa bedeutet. Europa war eine libanesische Prinzessin, die an einem Strand bei Sidon von einem Gott des Nordens entführt wurde, der sie begehrte: Zeus. Europa, Tochter König Agenors, hat nie einen Fuß auf unsere Landstriche gesetzt; Europa hat ihr Leben im südöstlichen Mittelmeerraum zwischen Phönizien und Kreta verbracht. Europa ist eine illegale Einwanderin, eine Ausländerin, eine Kriegsbeute. Ihre Geschichte ist eine Mittelmeergeschichte, eine Geschichte von Begehren und Eroberung. Diese Metapher für die Geschichte Europas lehrt uns vieles.»

Es ist wahr: Der antike Gründungsmythos Europas von Verführung und Verschleppung der phönizischen Prinzessin durch den in einen Stier verwandelten Zeus und ihrer Vergewaltigung auf Kreta gleicht einem bösen Omen für die blutige Geschichte unseres Kontinents und seiner hybriden Identitäten. Doch schon in ferner Vergangenheit bildeten sich Wirbel im fatalen Lauf der Dinge, die mit wechselnder Deutlichkeit auch zu verstehen gaben: «Europa auf dem Stier» – das ist Sinnbild einer folgenschweren Verirrung und Versprechen möglicher Umkehr gleichermaßen.

Mit Jordi Savalls Porträt des Humanistenfürsten Erasmus von Rotterdam nehmen die «Eurovisionen» unter Mitwirkung einer exzellenten Schauspielertrias gleich zu Beginn der «Resonanzen» 2018 markante Gestalt an. Nach einer kleinen Geschichte europäischer Mehrstimmigkeit, erzählt von Paul Van Nevels Huelgas Ensemble, entfaltet La Simphonie du Marais erstmals in Österreich die vollständigen «Tableaux d'amour» von André Campras «L'Europe galante». Der Weltpremiere der «Eurowinds» um Dorothee Oberlinger folgen die Debüts der Ensembles Melpomen mit Arianna Savall und Tasto solo um Guillermo Pérez. Während letzteres den Kulturtransfer innerhalb einer frühen europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der Hanse, beleuchtet, führt uns Melpomen zurück an die «Wiege Europas» im antiken Griechenland. Mit Madeleine de Scudéry begegnet uns im Konzert von Stylus Phantasticus eine Vorreiterin der Frauenrechtsbewegung, und Concerto Romano stellt mit Monteverdis berühmtem «Combattimento» einen eindringlichen Friedensappell an Christen und Muslime ins Zentrum des Essenskonzerts. Zum Abschluss betreten Václav Luks und sein Collegium 1704 den damals erst leise taumelnden Kontinent der Habsburger.

Ein Festival kann keine Antworten auf brennende politische oder soziale Fragen geben; sehr wohl aber sollte es solche nicht ausblenden, sondern sie vielmehr zuspitzen und ihren Stachel durch das Fett der Jahre bohren, um gerade dort den Nerv der Zeit zu treffen.

Zum Festivalprogramm (Einzelkarten), Vorverkauf für Mitglieder ab 2. November (9.00 Uhr), allgemein ab 9. November 2017 (9.00 Uhr)

 

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