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Giovanni Antonini © Paolo Morello (Ausschnitt)

Il Giardino Armonico / Chor des Bayerischen Rundfunks / Antonini

»Haydn: Die Schöpfung«

Dienstag 14 Mai 2019
19:30 – ca. 21:45 Uhr
Großer Saal

 

Besetzung

Il Giardino Armonico

Chor des Bayerischen Rundfunks

Anna Lucia Richter, Sopran

Gabriele Weinfurter, Alt

Maximilian Schmitt, Tenor

Florian Boesch, Bassbariton

Giovanni Antonini, Dirigent

Programm

Joseph Haydn

Die Schöpfung. Oratorium für Soli, Chor und Orchester Hob. XXI/2 (1796–1798)

Anmerkung

Im Anschluss an das Konzert signiert Giovanni Antonini seine CDs im Großen Foyer für Sie.

Zyklus Musik im Gespräch
Originalklang

Festival 39. Internationales Musikfest

Links http://www.ilgiardinoarmonico.com
https://www.br-chor.de

Veranstalter & Verantwortlicher Wiener Konzerthausgesellschaft

»Es werde Licht!«

»Es werde Licht!« Dieser Schlachtruf der Aufklärung, diese Kampfansage eines Zeitalters der leuchtenden Vernunft gegen das Dunkel despotischen Absolutismus’ und Aberglaubens, bereitet zum Klang gedämpfter Streicher als geflüstertes Gotteswort den ersten überwältigenden Höhepunkt von Haydns Oratorium »Die Schöpfung« vor: Den »Fortissimo-Lichteinfall« des Chores und gesamten Orchesters in strahlendem C-Dur! Mittels jähen dynamischen Kontrasts und denkbar einfachster Kadenz nach einer vage suchenden »Vorstellung des Chaos« schuf Haydn nicht nur eines der erhabensten Beispiele musikalischer Sonnenaufgänge. Er gab damit vor allem der unerschütterlichen Gewissheit überzeugenden Audruck, dass Gottes Wort sich auch erfülle.

Diese oftmals – Haydns Handwerk und Weltanschauung verwechselnd – als »naiv« bezeichnete Wirkungsästhetik ist für eine Kunst insgesamt charakteristisch, die von serener Gläubigkeit erfüllt ist und durchweg einen »gesunden« Optimismus verrät. Haydn, der Unpolitische, verkörpert so den aufgeklärten Gegenentwurf zu Voltaires zutiefst politischem Skeptizismus oder auch zum späteren Napoleon-Kult des revolutionären Bürgertums.

Vielleicht verlohnt ein kurzer Seitenblick auf Salvatore Viganòs und Ludwig van Beethovens zeitnah zu Haydns »Schöpfung« entstandenes Ballett »Die Geschöpfe des Prometheus «: Hier ist es ein völlig anderer Lichtbringer, der uns in Gestalt des ketzerischen Titanen anblickt – nicht Gott selbst, sondern ein selbsbewusst tätiger Halbgott. Beethovens pantomimisches Ballett hält Haydns Oratorium zudem die Verherrlichung der Instrumentalmusik entgegen, der neuen, vom Titanen aus Bonn auf den Schild gehobenen Symphonik.

»›Nun, gestern habe ich Ihr Ballett gehört, es hat mir sehr gefallen!‹ soll sich Haydn gegenüber Beethoven – einer verbreiteten Anekdote nach – auf offener Straße vernehmen haben lassen. Beethoven erwiderte hierauf: ›O, lieber Papa! Sie sind sehr gütig, aber es ist doch noch lange keine Schöpfung!‹ Haydn, durch diese Antwort überrascht und beinahe verletzt, sagte nach kurzer Pause: ›Das ist wahr, es ist noch keine Schöpfung, glaube auch schwerlich, daß es dieselbe je erreichen wird‹ – worauf sich beide – etwas verblüfft – gegenseitig empfahlen.« Genauso könnte sich diese kleine Episode an einer Weggabelung der Musikgeschichte im Wien um 1800 ereignet haben, als die Sonne hell im Mittag stand. Mit Mitteln der historischen Aufführungspraxis ein neues Licht auf Haydns Musik zu werfen, ist das erklärte Ziel Giovanni Antoninis, der sich mit seinem Ensemble bereits für 2032 rüstet, wenn anlässlich von Haydns 300. Geburtstag eine Gesamtaufnahme seiner Symphonien erscheinen soll. »Haydns Welt ist ein Universum«, denkt Antonini, und lässt somit für seine Interpretation der »Schöpfung« im Wiener Konzerthaus Großes erwarten.

Dieses Konzert können Sie auch online im Live-Stream erleben und bis zu 30 Tage nach der Veranstaltung anhören.

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