Konzerthaus – Porträts – Pierre Boulez
Pierre Boulez

Pierre Boulez © www.lukasbeck.com (Ausschnitt)

Pierre Boulez

«Man muss seine Revolution nicht nur konstruieren, sondern auch träumen», stellte Pierre Boulez einmal fest: Sinn und Sinnlichkeit prägen die Musik dieses 2016 verstorbenen aufrührerischen Poeten. Das Wiener Konzerthaus würdigt den Altmeister der Avantgarde in der Saison 2016/17 mit der Aufführung nahezu aller seiner als gültig erachteten Werke – interpretiert von prominenten Freunden und Wegbegleitern wie Daniel Barenboim, Pierre-Laurent Aimard oder den Wiener Philharmonikern bis hin zu Künstlern der jungen Generation.

Die konvulsivische Schönheit wird erotisch-verhüllt, explodierend-unveränderlich, magisch-umstandsbedingt sein, oder sie wird nicht sein», schrieb einst der Surrealist André Breton. Diese ausdrucksvollen Widersprüche scheinen Pierre Boulez’ gesamtes Schaffen zu umschreiben – also nicht nur seine «... explosante-fixe ...» genannten Klangerkundungen, bei denen Ensemble und Elektronik zarte Schattierungen um die Arabesken dreier Flöten legen. Das Klangforum Wien macht diese wie ungreifbar rauschende Musik lebendig – bei einem von insgesamt 16 Konzertprogrammen der Saison, die Pierre Boulez monothematisch oder in Beziehung zu Vergangenheit und Gegenwart verhandeln, seiner engen Beziehung zur Poesie nachlauschen, seine kühnen Errungenschaften aufschlüsseln.

Der Bogen erstreckt sich vom Klavierschaffen, das Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich konzentriert vorstellen, über frühe Kammermusik, Stücke mit ausgeklügelter Live-Elektronik bis hin zu großen Raumklangwerken wie «Rituel». Aber auch die schillernden Vokalkompositionen dürfen nicht fehlen: etwa «cummings ist der dichter», ein Resultat des kreativen Schocks, den Pierre Boulez durch die Bekanntschaft mit John Cage und dessen Zufallsoperationen erlitten hatte, oder «Le visage nuptial».

Ikonische Bedeutung haben in diesem konzisen und doch so reichhaltigen Œuvre nicht nur die expressiven Girlanden von «Le Marteau sans maître» nach Worten René Chars erlangt, die Boulez 1955 schlagartig berühmt machten, sondern auch die zehn Jahre zuvor entstandenen «Notations», an denen Boulez’ Arbeitsweise deutlich wird: Ursprünglich zwölf Zwölfton-Klavierstücke von jeweils zwölf Takten, hat sich eine Handvoll davon über Jahre und Jahrzehnte hin zu großen, vielfach verästelten Orchesterwerken ausgewachsen. Überhaupt knetete der Komponist viele seiner Stücke mehrfach durch, verwarf, änderte, formte um, bis er zufrieden war, oder ließ sie unvollendet, während er in anderen Werken seine künstlerische Vision auf Anhieb hatte verwirklichen können. Alle zusammen zeichnen sie ein faszinierendes Porträt: Pierre Boulez, ein Klassiker der Gegenwart.

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