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Samstag SA 27 Oktober 2018
Konzerthaus – Porträtkünstler 2018/19 – Yuja Wang
Yuja Wang

Yuja Wang © Kirk Edwards (Ausschnitt)

Yuja Wang

Sie lässt niemanden kalt, denn ihre Virtuosität ist so atemberaubend wie ihre Erscheinung. Das schlichte Konzertdress in dunklen, dezenten Farben war gestern. Yuja Wang ist eine moderne junge Frau und inszeniert ihre Auftritte als eine Art Gesamtkunstwerk. Dabei scheint das Bühnenkostüm, das sie wählt, auf raffinierte Weise mit der jeweiligen musikalischen Darbietung zu korrespondieren, gewissermaßen als Abwandlung von Skrjabins Idee des Farbklaviers.

Die Musik ist so schön und sinnlich, warum soll ich mich nicht auch entsprechend kleiden?«, postuliert die junge Wilde selbstbewusst. Dass sie dafür speziell im prüden Amerika zuweilen kritisiert wird und auf Facebook sexistische Reaktionen erntet, nimmt sie scheinbar gelassen in Kauf. »Ich ziehe mich halt so an. Ich trage auch kurze Röcke, wenn ich nicht auf der Bühne bin. So bin ich eben. Klassische Musik spricht für sich selbst – aber irgendwie achtet das Publikum sehr auf die Oberfläche. Die Kommentare sagen mehr über die Kommentatoren aus als über mich oder über Musik.«

Künstlerisch hat die in New York ansässige Yuja Wang mit dreißig bereits Beachtliches vorzuweisen. Zahlreiche Auszeichnungen, darunter der ECHO Klassik als Nachwuchskünstlerin 2011 und die Wahl zum Artist of the Year 2017 der Zeitschrift Musical America, sowie eine Reihe von eindrucksvollen Aufnahmen begleiten ihre steile internationale Karriere. Die 1987 in Peking geborene Tochter einer Tänzerin und eines Perkussionisten, die mit sechs ihren ersten Klavierunterricht bekam, hat Ernsthaftigkeit gelernt. »Meine chinesische Kindheit ist ein wichtiges Fundament. Ich bin sehr diszipliniert zu Hause unterrichtet worden, in einer engen Beziehung zu meinem Lehrer, auch zu anderen Leuten, zu Freunden, das war mir sehr wichtig. Das gibt meinem Spiel mehr Persönlichkeit, mehr Charakter«, sagt sie.

Mit zwölf reiste sie zum ersten Mal zu Sommerkursen nach Calgary, mit vierzehn übersiedelte sie ganz dorthin, ein Jahr später wechselte sie an das Curtis Institute of Music in Philadelphia. In den liberalen Verhältnissen Amerikas, wo jeder auf sich selbst gestellt ist, hat sie ihre Spontaneität und ihr explosives Temperament entwickelt, und in dieser Mischung mit ihrem chinesischen Erbe entstand wohl ihre Unverwechselbarkeit.

Der Schwerpunkt von Wangs pianistischer Tätigkeit liegt naturgemäß im hochvirtuosen Repertoire des späten 19. und 20. Jahrhunderts, und so präsentiert sie sich nun auch in ihrer Porträtreihe im Wiener Konzerthaus: mit Prokofjew und Richard Strauss, mit Ravels Konzert für die linke Hand, mit Schumanns a-moll-Konzert. Dass beim kammermusikalischen Duo-Abend ausgerechnet der Geiger Leonidas Kavakos an ihrer Seite ist, lässt das Konzert zu einem besonderen Erlebnis werden: gilt der Musiker doch als einer der musikalischsten und versiertesten Virtuosen auf seinem Instrument.

Besonderen Funkenflug versprechen die Begegnung mit Martin Grubinger und seinem Percussive Planet Ensemble sowie der Abend mit Igudesmann & Joo, bei dem Yuja Wang überdies als Sängerin und Schauspielerin in Aktion treten wird – zweifellos ein Anlass für spezielle Ideen auch der bekleidungstechnischen Art.

Porträtkünstler 2018/19

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