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Michael Schade

Michael Schade © www.lukasbeck.com (Ausschnitt)

Michael Schade

Michael Schade ist gefeierter Opernsänger, und mit gleicher Intensität widmet er sich dem Lied. Um zu beschreiben, was seine besondere Kunst ausmacht, könnte man sagen: Er ist in jedem Fall bekennender Lyriker.

Im Mozartfach, mit dem er weltberühmt wurde, hat er sich vom Prinzen zum König gewandelt, er ist über ausgewählte Strauss-Partien zu Florestan, Max und Fierrabras vorgedrungen, von wo es nicht mehr weit zu Wagner war. Im Mai vorigen Jahres gab er beim britischen Opernfestival Glyndebourne sein lang erwartetes Rollendebüt als Stolzing, den er inzwischen auch an der Mailänder Scala verkörpert.

Die langjährige, intensive Zusammenarbeit mit Nikolaus Harnoncourt, dem großen Mentor, dessen Ideal von der «Klangrede» er als Intendant der Barocktage Stift Melk weiterträgt, hat Michael Schade geprägt. Die Disziplin, die er sich beim Singen auferlegt, beruht auf seinem Credo von der absoluten Hingabe an den Text, die für ihn die Voraussetzung für die Wahrhaftigkeit einer Interpretation darstellt. Sein «hundertprozentiges Bekenntnis zur Lyrik» gilt ganz speziell im Fall von Franz Schubert, bei dessen Liedern er Natürlichkeit nicht mit Naivität verwechselt wissen möchte: «Da geht es um wahre Gefühle. Da liegen die Emotionen blank.»

Und bei Schubert gibt es jetzt ebenfalls ein Debüt. Denn im Gegensatz zur «Schönen Müllerin», die seit mehr als fünfzehn Jahren zu Schades Repertoire gehört, hat er die «Winterreise» bislang noch nie gesungen. In der bewährten Partnerschaft mit Malcolm Martineau wird er sich im Mozart-Saal erstmals auf den eisigen Marsch in die Einsamkeit begeben.
Dass Michael Schade sich vor allem im deutschen Fach zu Hause fühlt, ungeachtet seiner großen Erfolge auf dem Gebiet des Belcanto und der französischen Oper, hat wohl mit den persönlichen Wurzeln zu tun, denen er seine «deutsche Stimme» verdankt. Seine Eltern stammten aus Gelsenkirchen, er wurde in Genf geboren, von wo die Familie 1977 nach Kanada auswanderte. Da war er zwölf. Obwohl er im Chor in Toronto schon mit seinem Knabensopran aufgefallen war, dachte er keineswegs an einen künstlerischen Beruf. Die Ornithologie hatte es ihm angetan. Deshalb wäre ihm der Vogelfänger in der «Zauberflöte» eigentlich näher gewesen als der Prinz, meint er. «Aber als ich die Partie des Tamino zum ersten Mal studierte, habe ich gewusst, dass Mozart das für eine Stimme wie die meine komponiert haben muss.»

Sein Porträt komplettiert Michael Schade konsequenterweise mit einem fein gestrickten Abend rund um Clara und Robert Schumann und Johannes Brahms, ergänzt um Brahms' selten gespielte Kantate «Rinaldo». Und auch der Verbundenheit mit seiner Wahlheimat Wien trägt er Rechnung: Nachdem er zum Jahreswechsel erstmals den Eisenstein an der Wiener Staatsoper verkörpert hat, präsentiert er nun mit dem Janoska Ensemble ein differenziertes Programm im Zeichen der Operette.

 

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